Pharmaaktien:

Novartis Pfui, Fresenius Hui

Wenn wir schon mal gerne von Zeitenwende sprechen, mag das ganz besonders für den schweizerischen Pharmariesen Novartis gelten. Allerdings muss das nicht unbedingt zum Guten gereichen, wie die folgende Geschichte belegen mag.

Im Jahr 2018 brach bei Novartis eine neue Zeitrechnung an. Ein frischer Chef wurde gebacken, hohe Ziele inklusive, Novartis sollte und wollte unter dem nunmehrigen CEO Vasant Narasimhan mächtig werden wie nie zuvor, ein Globalplayer allererster Güte.

Narasimhan nahm also furchtbar viel Geld in die Hand und tätigte seither Zukäufe im Wert von über 30 Milliarden Dollar, deren Erfolge weiß Gott noch lange nicht in trockenen Tüchern sind und teilweise sogar implodierten. Bestes Beispiel dafür: eine Abschreibung in Höhe von 3 Milliarden Dollar für die Übernahme von Morphosys. Das war schon mal ein veritabler Totalschaden. Zu Beginn dieser Woche kam auch noch die Hiobsbotschaft, dass ein neues Herz-Kreislaufmittel wichtige klinische Tests verfehlte.

Als wäre das nicht schon Ärger genug, musste der CEO Anfang dieser Woche eine Mitteilung verschieben, welcher über die Wirkungslosigkeit eines einst vielversprechenden Wirkstoffs und möglicherweise einer ganzen – viel zu teuer eingekauften – Technologieplattform Aufschluss gibt. Genauer, geben sollte.

Die Rede ist hier von „Del-Desiran“, ein Wirkstoff, der gegen myotone Dystrophie Typ 1 hätte eingesetzt werden sollen. Bei zwei Patientengruppen, die an dieser gravierenden, genetischen Muskelerkrankung leiden, war eine signifikante Besserung nicht zu erkennen.

Doch, wo es nichts Erfreuliches zu berichten gibt, muss der schlaue Börsianer konsequent sein und handeln. Die Aktie ist derzeit ein klarer Verkauf. Ohne Wenn und Aber.

Fresenius Schelte unbegründet

Ja, ich weiß, meine Fans erwarten jetzt eine Alternative, die man statt Novartis kaufen kann oder kaufen soll, am besten natürlich aus derselben Branche. Generell ist „Pharma“ ja auch eine gute Idee, zumindest in der jetzigen Börsenphase. 

Ich habe mir daher Fresenius (ISIN:DE000FRE5EN2) genauer angeschaut. Der Medizinkonzern und Krankenhausbetreiber müht sich derzeit, aus einer Kursrange zwischen 42 und 44 Euro herauszuklettern, schafft das aber irgendwie nicht so recht.

Im Internet wimmelt es von negativen Einschätzungen für Fresenius, die sich vor allem um deren US-Geschäft mit dem Biosimilar „Tyenne“ drehen.

Doch wenn ich mir das so genauer anschaue, die „Tyenne“ Probleme werden völlig überbewertet und haben eine Wirkung von 0,3 Prozent für das Konzernergebnis, also null und nix.

Also: Ein Kurs von 60 Euro ist auf Sicht von eineinhalb Jahren bei Fresenius durchaus drin und das sollte doch jedem Börsianer ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin Ihnen ebenso verbunden.

Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr

Reinhold Rombach

„Börsebius“

Tags: Börsebius, Kolumne, Finanzmärkte, Börsebius TopSelect, Börsebius TopMix, Börsebius Bosses Follower Fund, Novartis, Fresenius

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